Freitag, 20. Juli 2012

Der Beobachter.



Ruhe. Absolute Ruhe. 
Du hast Freistunde. Wie jeden Freitag um 09:40 Uhr. 
Wie immer sitzt du in der Mensa. 
Normalerweise sind noch ein paar andere Schüler da. 
Doch heute bist du ganz allein. 
Du hörst Musik.
Seit gestern Abend allerdings nur noch ein Lied.
Natürlich beschreibt es deine momentane Situation perfekt.
Du hast dir vorgenommen dein Buch zu lesen.
Doch du kannst dich nicht darauf konzentrieren.
Immer wieder verschwimmt alles..
Du erkennst kein einziges Wort mehr.
Es liegt an der Musik. 
Sie holt dich immer wieder in ihre Welt zurück.
Aber du kannst nicht einfach ein anderes Lied hören. 
Irgendetwas verhindert es.

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Vor dir liegt dein Kunstbild. 
Du bist vorhin damit fertig geworden.
Es ist dunkel. In kalten Farben gehalten.
Eine Landschaft.
Wahrscheinlich in der Dämmerung.
Im Vordergrund sieht man die Silhouetten zweier Bäume. Und die von kleinen Sträuchern.
Der Hintergrund zeigt eine in der Ferne liegende Bergkette.
Der Himmel ist wolkenverhangen. Es wirkt bedrohlich.
Doch in der Ferne ist alles hell und wirkt freundlich. 

Das Bild beschreibt quasi deine Situation.
Um dich herum ist alles düster.
Du erkennst nur Schatten von den Dingen die dich umgeben.
Von oben drücken dunkle Wolken auf dich ein.
Du stehst an deinem Platz und schaust in die Ferne.
Siehst alle schönen Dinge.
Aber es sind im Vordergrund immer noch alle negativen Gedanken, Gefühle und Tatsachen. 
Du bekommst sie einfach nicht aus deinem Kopf.
Alle positiven Dinge liegen in so unerreichbarer Entfernung.
Du wirst sie weiterhin nur von deinem Standpunkt aus betrachten können.
Du bist ein Beobachter.
Du hast Anteil an schönen Momenten.
Jedoch nur mit einigem Abstand.
Nie wirst du etwas Gutes erleben.
Nicht persönlich.

Langsam zerbrichst du an dieser Situation. Langsam. Aber sicher.



Du schaust auf die Uhr. 09:20 Uhr. 
In 5 Minuten ist die Stunde aus. 
Du musst dich wieder normal verhalten.
Ein falsches Lächeln aufsetzen.
Das starke Mädchen sein.

Du wartest auf den Moment an dem du einfach zusammen brichst.
Direkt in der Klasse.
Jeder wird sehen, dass du schwach bist.
Es wird gut tun. Denkst du. 
Ob es so ist, weißt du nicht.

Es wird sich herausstellen.

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